Die Ausbildung des jungen Reitpferdes Teil 2

Vertrauensbildende Maßnahmen und das Longieren

Ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung sind die vertrauensbildenden Maßnahmen, die meines Erachtens der Grundstein der positiven Beziehung zwischen Mensch und Pferd sind. Geregelte Abläufe, ruhiges gelassenes Umgehen, klare Anweisungen und Impulse sowie Geduld und Verständnis prägen die Grundausbildung des jungen Reitpferdes. Dies beginnt schon beim Umgang mit dem Pferd. In der Box, beim Putzen, bei der Gewöhnung an den Sattel, das Zaumzeug und Gebiss, den Longiergurt und anderen dem jungen Pferd völlig unbekannten Dingen.

Wichtig ist, dass das Gegenüber – in unserem Fall der Ausbilder – immer gleich reagiert und das Pferd somit eine Möglichkeit bekommt Situationen einzuschätzen. Beim Heranführen an das Longieren hat sich ein abgegrenzter Zirkel bewährt, sodass das Pferd nicht in eine Richtung ausbrechen kann. Wenn das junge Pferd dies akzeptiert, kann dies auch ohne Abgrenzung erfolgen. Entweder wird über die Trense ein Halfter gelegt, oder der Nasenriemen der Trense ausgebaut und darunter ein Dually-Halfter platziert, sodass noch keine Einwirkung auf das Maul erfolgt. Wenn das Pferd gelernt hat auf die Stimme und treibende Peitschenhilfe vorwärtszugehen, kann je nachdem wie sich das junge Pferd verhält, der Longiergurt angelegt werden. Ganz individuell wie sich das junge Pferd beim Longieren mit Longiergurt und anschließend mit Sattel zeigt, kommen nun das Ausbinden und die beginnende Anlehnung ins Spiel. Wann, ob und inwieweit ein Pferd ausgebunden werden soll ist eine viel diskutierte und spannende Frage. Nach meiner Erfahrung nach kann das Ausbinden (wie auch Expertin und Pferdewirtschaftsmeisterin Susanne Miesner in ihrem Buch: „Das junge Reitpferd, Grundausbildung der Remonte“ beschreibt) pferdegerecht und sachgemäß durchgeführt zur verbesserten Anlehnung unter dem Sattel dienen. Sicher ist, dass das junge Pferd beim Longieren erst einmal lang ausgebunden werden soll, um sich mit der neuen Situation ins Gleichgewicht zu bringen.

Anbei ein paar Eindrücke von Schneeglöckchen, die zum dritten Mal mit Ausbindern longiert wird und langsam lernt an das Gebiss heranzutreten.

Fotos Jojo Harslem